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Nach Todesfall: Zweites Vibrionen-Opfer an der Ostsee

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Vibrionen – fleischfressende Killerbakterien. Was ist an dieser Aussage dran? Nach zwei Infektionen innerhalb einer Woche stellt sich die Frage: Wie gefährlich ist es wirklich, in der Nord- und Ostsee baden zu gehen?

von , Online-Redaktion
Blau gefärbte überdacht Stühle am Sandstrand
iStockphoto

Vibrionen sind Bakterien, die in der natürlichen Flora von Salzgewässer auftreten – steigt die Wassertemperatur auf über 20 Grad Celsius, treten sie verstärkt auf.

Eine 90-jährige Dame verstarb vergangene Woche, nun gab es eine zweite Meldung: Eine weitere Frau infizierte sich mit Vibrionen. Das bestätigte Dr. Heiko Will, Erster Direktor des Landesamts für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern (LAGuS).

Die Zahl der Erkrankten in diesem Jahr steigt somit auf acht, darunter ein Todesfall. Grundlegend bestehe für einen gesunden Menschen jedoch eine sehr geringe Gefahr der Infektion, so der Experte.

Unter gewissen Voraussetzungen ist das Risiko einer Ansteckung allerdings höher ist als für gesunde Menschen.

Zu dieser Risikogruppe zählen beispielsweise chronisch kranke Menschen (z.B. bei einer Alkoholkerkrankung, Diabetes oder Lebererkrankung) oder Menschen mit einer akuten Erkrankung (z.B. bei einer bestehenden HIV-Infektion).

Auch bei Personen höheren Alters ist die Gefahr einer Vibrioneninfektion erhöht.

"Zusätzlich muss eine offene Wunde vorhanden sein, durch die die Bakterien in den Körper eindringen können. Hierbei würde schon ein aufgekratzter Mückenstich reichen, damit die Vibrionen in den Körper gelangen", erklärt Dr. Will.

Das Eindringen über eine offene Körperstelle sei die häufigste Ursache bei der Erkrankung.

Möglich ist es daneben auch, die Bakterien oral aufzunehmen. Dafür müsste man jedoch Salzwasser in großen Mengen trinken oder rohe Meeresfrüchte zu sich nehmen – zwei Möglichkeiten, die extrem selten vorkommen.

Die Wahrscheinlichkeit, Vibrionen über die Nahrung aufzunehmen, ist eher in wärmeren Regionen gegeben.
 

Welche Symptome treten bei einer Vibrioneninfektion auf?

Gelangt das Bakterium über eine offene Wunde in den Körper, entzündet sich diese. Symptome sind Rötungen, Schwellungen und Blasenbildungen an der entsprechenden Stelle.

Im Falle einer oralen Aufnahme zeichnen sich Symptome anders ab, dann treten Schüttelfrost, Übelkeit, Fieber, Erbrechen oder Durchfall auf.
 

Wie hoch ist das Infektionsrisiko in Nord- und Ostsee?

„Die Erkrankung an Vibrionen gilt extrem unwahrscheinlich. Trotzdem ist aktuell eine allgemeine Vorsicht geboten“, teilte uns Dr. Will mit.

Das zeichnet seit 2003 Krankheits- und Todesfälle in der Ostsee auf.

Seither gab es 51 Krankheitsmeldungen und acht Todesfälle. Bei 5,8 Millionen Badegäste, die jährlich in der Ostsee schwimmen gehen, scheint das Risiko einer Infektion also sehr gering zu sein.

Das Aufsuchen eines Arztes ist allerdings dann sinnvoll, wenn man mit einer offenen Wunde in der Nord- oder Ostsee war und sich diese anschließend entzündet. Die Symptome treten bei einer Infektion mit Vibrionellen nach zwölf bis 72 Stunden auf.

Eine bakterielle Infektion kann – in den meisten Fällen – gut behandelt werden. Die Verabreichung von Antibiotika ist üblich.
 

Wie kam es zu den aktuellen Fällen in der Ostsee?

Nach Angaben von Experte Will war die betroffene Person über 90 Jahre alt und suchte mit der nach dem Bad entzündeten Wunde keinen Arzt auf. Ihr altersbedingter geschwächter Körper konnte das Bakterium nicht abwehren, sodass sie an den Folgen der Vibrioneninfektion verstarb.

Die weitere infizierte Person erkrankte nach einem Bad in der Ostsee. Wie alt die Dame war oder ob sie zu einer Risikogruppe zählt, teilte uns der Chef des LAGus nicht mit.

"Bei rund 90 Millionen Badegästen in 16 Jahren kamen acht Menschen ums Leben. Die Wahrscheinlichkeit an einer Vibrioneninfektion zu sterben, liegt bei weit unter einem Prozent", versichert Dr. Will.

Autor
, Online-Redaktion
Quelle
Landesamt für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern (2019): Aktuelle Hinweise zum Baden in der Ostsee, abgerufen am 13.08.2019 https://www.lagus.mv-regierung.de/Services/Aktuelles/?id=152396&processor=processor.sa.pressemitteilung
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