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Studie warnt: Ist die Paleo-Diät ist schlecht fürs Herz?

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Die Paleo-Diät soll nicht nur beim Abnehmen helfen, oft werden auch ihre gesundheitlichen Vorteile angepriesen. Eine aktuelle Studie zeigt nun jedoch, dass diese Ernährungsweise das Risiko für Herzerkrankungen erhöhen könnte.

von , News-Redakteurin
Lebensmittel einer Paleo-Diät
iStockphoto

Anhänger der Paleo-Diät versuchen, sich möglichst naturbelassen zu ernähren. Das bedeutet: Verarbeitete Produkte werden vom Speiseplan gestrichen. 

Das klingt im zunächst einmal durchaus gesund. An erster Stelle stehen schließlich Produkte wie Fleisch, Fisch, Eier, Nüsse, Obst und Gemüse, wodruch die Paleo-Diät sehr gut für die Darmgesundheit sein soll. 
 

Erste Langzeitstudie zum gesundheitlichen Effekt von Paleo

Was jedoch oft nicht beachtet wird ist, dass der vermorete Verzehr von tierischen Proteinen die Konzentration von Trimethylamin-N-oxid (TMAO) erhöhen kann. 

Dabei handelt es sich um eine im Darm vorkommende Verbindung, die oft mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert wird. 

Bisherige Kurzzeitstudien konnten einen Zusammenhang zwischen Paleo und erhöhten TMAO-Werten zwar nicht bestätigen, eine Langzeitstudie knüpft nun jedoch an diesem Punkt an. 

untersuchte erstmals die möglichen langfristigen, gesundheitlichen Auswirkungen der Paleo-Diät – mit besonderem Augenmerk auf das Risiko von Herzerkrankungen. 
 

Seit einem Jahr keine Milch- oder Getreideprodukte

44 Teilnehmer der Studie waren zwischen 18 und 70 Jahre alt und ernährten sich nach eigenen Angaben seit mindestens einem Jahr nach der Paleo-Diät. Sie wurden gebeten, Blut-, Urin- sowie Stuhlproben zur Analyse bereitzustellen. 

Um die Proben zu vergleichen, wurden die Probanden in Gruppen aufgeteilt. Die erste, streng paläolithische Gruppe aß weniger als eine Portion Getreide oder Milchprodukte pro Tag. 

Die pseudopaläolithische Gruppe hingegen nahm täglich more als eine Portion dieser Lebensmittel zu sich. 

Die Kontrollgruppe bestand aus weiteren 47 Teilnehmern, die sich relativ gesund ernährten, aber nicht bewusst auf verarbeitete Lebensmittel verzichteten. 
 

Erhöhte TMAO-Konzentration durch Paleo festgestellt

Die Studie ergab, dass die streng paläolithische Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe eine ähnliche Gesamtaufnahme an Ballaststoffen aufwies, während die pseudopaläolithische Gruppe nur wenig Ballaststoffe konsumierte. 

Die Proteinaufnahme war in der Gruppe der streng paläolithischen im Vergleich zu den beiden anderen Gruppen viel höher, und die Fettaufnahme war in beiden Paläo-Gruppen deutlich stärker.

Zudem war die TMAO-Konzentration in der streng paläolithischen Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe ebenfalls deutlich höher.

Die Bakterien, die für die Produktion von TMAO verantwortlich sind, konnten die Forscher bei allen Paleo-Anhängern in deutlich höheren Konzentrationen nachweisen. 

Sie vermuten, dass dieser erhöhte Spiegel mit der mangelhaften Aufnahme von Vollkornprodukten zusammenhängt. 

Bildergalerie: Pseudo-Getreide in der Übersicht

Bildstrecke

"Die Paleo-Diät schließt alle Getreidearten aus", erklärt die leitende Forscherin Dr. Angela Genoni .

"Wir wissen aber, dass Vollkornprodukte eine fantastische Quelle für resistente Stärke und viele andere fermentierbare Fasern sind, die für die Gesundheit des Darmmikrobioms von entscheidender Bedeutung sind."
 

Mangelnde Aufnahmen von Vollkorn

Eine ausgewogene Ernährung, die die Aufnahme von Gemüse und Vollkornprodukten beinhaltet, begünstigt laut den Forschern ein Milleu im Darm, welches förderlich für die Gesundheit ist.

Die Zusammensetzung der Darmbakterien, die mit einer erhöhten Fettaufnahme verbunden ist, ist hingegen gesundheitsschädlich. 

Zudem geben die Forscher zu bedenken, dass fettreiche Ernährungweisen in den meisten Fällen auch mit Fettleibigkeit verbunden sind – diese wiederum erhöht das Risiko für Herzerkrankungen. 
 

Gesundheitliche Vorteile fraglich

Angesichts der hohen Fettaufnahme während der Paleo-Diät in Kombination mit den höheren TMAO-Werten bei der Probanden, zweifeln die Forscher den gesundheitlichen Aspekt der Ernährungsweise an. 

Sie geben zu bedenken, dass diese Diät die Darmgesundheit wahrscheinlich nicht verbessert, das Risiko für Herzerkrankungen stattdessen aber wohl erhöhen kann. 

Auch dem vermoreten Verzehr von rotem Fleisch stehen die Forscher kritisch gegenüber. Dieses enthalte nämlich die Vorläuferverbindung zur Herstellung von TMAO. 

"Viele Befürworter der Paleo-Diät behaupten, dass die Ernährung der Darmgesundheit förderlich ist", resümiert Genoni.

"Diese Studie legt jedoch nahe, dass die Paleo-Diät sich nachteilig auf die Herzgesundheit auswirken könnte, wenn es um die Produktion von TMAO im Darm geht."

Autor
, News-Redakteurin
Quelle
Genoni, A., et. al (2019): Long-term Paleolithic diet is associated with lower resistant starch intake, different gut microbiota composition and increased serum TMAO concentrations, abgerufen am 09.08.2019: https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00394-019-02036-y
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