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Pille und Trainingserfolg: Hemmt die Pille den Muskelaufbau?

Frauen, die mit der Pille verhüten, kämpfen nicht selten mit Nebenwirkungen. Eine davon könnte gerade für Sportlerinnen frustrierend sein: Wir beantworten die Frage, ob die Antibabypille den Muskelaufbau hemmt.

von , Fitness-Redakteurin
Frau stemmt Langhantel
iStockphoto

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Ein starker Körper und definierte Muskeln – davon träumen nicht nur Männer.

Frauen könnte die Antibabypille allerdings Steine in den Weg legen: Macht die tägliche Einnahme des hormonellen Verhütungsmittels deine Fortschritte beim Krafttraining womöglich zunichte?

Wichtig zu wissen: Pille ist nicht gleich Pille und jeder Körper reagiert ganz unterschiedlich darauf. Alle beschriebenen Effekte in diesem Artikel könnten bei dir also anders ausfallen.

Wende dich im Zweifelsfall an deinen Frauenarzt und besprich deine Bedenken mit ihm.
 

Wie verändert die Pille deinen Hormonhaushalt?

Die meisten Frauen nehmen Kombinationspräparate ein, die in unterschiedlichen Dosierungen die Sexualhormone Östrogen und Gestagen enthalten. Daneben gibt es zudem die östrogenfreie Minipille.

Als Östrogen kommt in der Regel das synthetische Östrogen Ethinylestradiol zum Einsatz, von niedrig- bis hochdosiert.

Gestagene ähneln in ihrer Wirkung dem körpereigenen Hormon Progesteron. Man unterscheidet sogenannte androgene und antiandrogene Gestagene.
 

Was passiert im Körper, wenn du die Pille nimmst?

Die Einnahme einer kombinierten Antibabypille – mit den Hormonen Östrogen und Gestagen – setzt eine Reihe von Prozessen in Gang:

  • Die Eizellenreifung wird verhindert.
  • Es findet kein Eisprung statt.
  • Der Schleim am Muttermund verfestigt sich, so dass Spermien nicht vordringen können.
  • Der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut wird unterdrückt.

Deinem Körper wird letztlich eine Schwangerschaft vorgegaukelt.

Pillenpräparate mit antiandrogenen Gestagenen können zudem die Wirkung der männlichen Sexualhormone (Androgene) wie Testosteron abschwächen und auf diese Weise der Entstehung von Hautunreinheiten entgegenwirken.

Pillen mit androgenen Gestagenen können bei Libidostörungen sinnvoll sein.
 

Pille und Gewicht: Welche Wechselwirkung gibt es?

Neben vielen weiteren positiven wie negativen Nebenwirkungen der Pille beobachten viele Frauen, dass sie in den ersten Monaten der Einnahme plötzlich ein bis zwei Kilo zunehmen.

Es handelt sich hierbei jedoch nicht um Fettgewebe. Der Körper lagert vielmore Wasser ins Gewebe ein. Verantwortlich dafür ist der Östrogenanteil in der Pille.

Gewichtsschwankungen innerhalb des Zyklus sind jedoch auch ohne Pille völlig normal.
 

Was passiert beim Muskelaufbau im Körper?

Beim Muskelaufbau spielen natürliche anabole Hormone, allen voran Testosteron, eine entscheidende Rolle. Davon besitzen Frauen im Vergleich zu Männern deutlich weniger, weshalb es ihnen in der Regel schwerer fällt, Muskelmasse zuzulegen.

Beim Krafttraining schüttet der Körper gezielt Testosteron aus. Der Grund: Durch die starke Beanspruchung der Muskeln kommt es zu Mikroverletzungen im Gewebe.

Um die Muskulatur schnellstmöglich zu reparieren, veranlasst das Gehirn die Ausschüttung von Testosteron und anderen Wachstumshormonen wie HGH. Der Muskel bildet neue Zellen und passt sich so Schritt für Schritt neuen Belastungsgrenzen an.
 

Welchen Einfluss hat die Pille auf den Muskelaufbau?

Das Hormon Testosteron ist einer der Hauptakteure beim Muskelaufbau. Vor dem Hintergrund, dass die Pille den Testosteronspiegel senken kann, liegt die Vermutung nahe, dass das Verhütungsmittel dem Muskelwachstum einen Riegel vorschiebt.

Diese Kettenreaktion bestätigt eine : Forscher beobachteten über einen Zeitraum von zehn Wochen die sportlichen Leistungen von 73 Frauen im Alter von 18 bis 34 Jahren, von denen die Hälfte die Pille einnahm.

Trainingszeiten, Trainingsintensität und Ernährungsweise waren komplett identisch. Die Chancen, durch Kraftsport Muskeln aufzubauen, waren also bei allen Teilnehmerinnen gleich.

Das Ergebnis der Studie: Frauen, die mit der Pille verhüteten, bauten im Schnitt 60 Prozent weniger Muskelmasse auf als die Vergleichsgruppe.

Ein möglicher Grund: Bei den Teilnehmerinnen mit Pille wurde eine höhere Konzentration Cortisol im Blut nachgewiesen. Die Ausschüttung des Stresshormons kann den Muskelaufbau hemmen.

Ganz so eindeutig wie es jetzt scheint, ist die Studienlage allerdings nicht. Auch Forscher der Nottingham Trent University untersuchten 2016 den Einfluss von hormonellen Verhütungsmitteln auf die Leistung von Sportlerinnen.

Die zeigte, „dass der veränderte Hormonhaushalt durch hormonelle Empfängnisverhütungsmittel keinen Einfluss auf die Muskelkraft hat, und obwohl die maximale Sauerstoffaufnahme in manchen Fällen verringert ist, hat dies keinen Effekt auf die Leistung."

Zu ähnlichen Ergebnissen kamen auch .
 

Fazit: Hemmt die Pille den Muskelaufbau?

„Die Studienlage hierzu ist uneindeutig, was auch der Vielzahl an Varianten bei den Präparaten, sowie der Tatsache geschuldet ist, dass Frauen sowieso weniger und langsamer Muskeln aufbauen“, resümiert Ernährungs- und Fitness-Experte Dr. Frank-Holger Acker im Gespräch mit Themanorcentralparks.

Eine pauschale Antwort auf die Frage nach dem Einfluss der Pille auf den Muskelaufbau ist also nicht wirklich möglich. „Vielmore sollte jede Frau reflektieren, ob bzw. welche Vorteile ihr die Pille im Vergleich zu Alternativen liefert“, so Acker.

„Wenn man darauf nicht verzichten mag oder kann, sollte man bei der Pille bleiben. Sollte man allerdings zu dem Schluss gelangen, dass auch andere Formen der Verhütung für einen selbst zielführend sind, so wäre der Verzicht auf die Pille empfehlenswert.“
 

Tipp 1: Stress abbauen

Generell rät der Experte allen Frauen, die mit ihrer sportlichen Leistung unzufrieden sind, vor allem eines: Stress abbauen!

Stress – egal, ob durch psychische Belastung, Mangelernährung, zu viel Sport oder Schlafmangel – führt im Körper zur Ausschüttung von Cortisol. Ist das Stresslevel konstant hoch, kann dies zu einer Ermüdung der Nebennieren führen, wo das Hormon produziert wird.

Die Folgen: Fetteinlagerungen im Bein- und Pobereich sowie ausbleibende Fortschritte beim Sport. „Wer sich nun noch weiter stresst, weil die gewünschten Erfolge nicht eintreten, gelangt schnell in einen wahren Cortisolteufelskreis“, beschreibt Acker das Szenario in seinem wissenschaftlichen .

„Bei schlechtem Timing, ungünstiger Mikronährstoffzufuhr und unzureichendem Schlaf kann dieser Kreislauf im Extremfall sogar nicht nur zu ausbleibendem Muskelaufbau, sondern sogar Muskelabbau führen und den sportlichen Zielen genau entgegenwirken.“
 

Tipp 2: Training an den Zyklus anpassen

Zusätzlich zur Stressvermeidung kannst du – unabhängig von der Pille – durch die Trainingsplangestaltung optimal auf deinen Zyklus reagieren und dir den jeweiligen Hormonstatus zunutze machen.

Einer  der Ruhr-Universität Bochum zufolge ist die Phase direkt nach der Regelblutung, die Follikelphase, ideal für Krafttraining. Die Trainingseffekte seien in diesem Zeitraum deutlich größer als in der zweiten Zyklusphase.
 

Tipp 3: Ernährung umstellen

Was die Ernährung betrifft, empfiehlt Dr. Frank-Holger Acker Frauen, die mit Pille verhüten und regelmäßig Sport treiben, zur Supplementierung wichtiger Mikronährstoffe, „da ein hoher Östrogenanteil im Präparat den Bedarf an den Vitamin B2, B6, B12, C und Folsäure erhöhen kann. Gleiches gilt für  und Zink.“

Weitere Ernährungs-Tipps haben wir in unserem Guide "Ernähren nach dem Zyklus" zusammengefasst.

Autor
, Fitness-Redakteurin
Quellen
Dr. Acker, F.-H. (2018): Training und Ernährung für Frauen. Muskelaufbau, Fettabbau, Hormone, weibliche Triade, Pille. CreateSpace Independent Publishing Platform, 1. Auflage
Prof. Dr. med. Platen, P. (2008): Mehr Leistungskraft durch körpereigene Hormone, abgerufen am 01.08.2019 http://www.pm.ruhr-uni-bochum.de/pm2008/msg00103.htm
Ralloff, J. (2009): Birth control pills can limit muscle-training gains, abgerufen am 01.08.2019 https://www.sciencenews.org/blog/science-public/birth-control-pills-can-limit-muscle-training-gains
Martin, D. et al (2016): A perspective on current research investigating the effects of hormonal contraceptives on determinants of female athlete performance, abgerufen am 01.08.2019 http://www.scielo.br/scielo.php?script=sci_arttext&pid=S1807-55092016000401087
Myllyaho, M. (2016): Effects of hormonal contraceptives on physical performance and body composition, abgerufen am 01.08.2019 https://jyx.jyu.fi/handle/123456789/49291#
Procter-Gray, E. et al (2008): Effect of oral contraceptives on weight and body composition in young female runners, abgerufen am 01.08.2019 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18580398
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