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Rückenschmerzen: die häufigsten Ursachen, was dir sofort hilft, wie du vorbeugst

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Rückenschmerzen sind DIE Volkskrankheit. Fast jeder von uns ist irgendwann betroffen. Das sind die häufigsten Ursachen – und die besten Therapien ...

von
und , Gesundheitsredakteurin
Aktualisiert: 16.10.2019
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Jeder vierte Deutsche leidet einem zufolge regelmäßig unter Rückenschmerzen, die Folge sind rund 35 Millionen Ausfalltage unter den Erwerbstätigen, 75 Prozent aller Berufstätigen hatten im Jahr 2017 mindestens einmal Rückenschmerzen.

Diese Zahlen zeigen, dass das Thema Rücken eine immer wichtigere Bedeutung im Alltag bekommt – sogar bei jungen Menschen: Selbst Jugendliche klagen schon über das Kreuz mit dem Kreuz, betroffen sind die Hälfte der 14- bis 17-jährigen Mädchen und vier von zehn Jungen.

Beschwerden treten laut Deutschem Schmerz-Index 2018 besonders oft im unteren Rücken auf. In der Regel sind Muskeln, Sehnen, Faszien oder Bänder für die Schmerzen verantwortlich.

Diese verbinden beispielsweise die Kreuzbein-Darmbein-Gelenke mit der Wirbelsäule. "Bei einer Funktionsstörung entstehen dort über Reflexbögen Verspannungen, entzündliche Reaktionen in den Sehnen und Bändern und damit Schmerzen", erklärt Dr. Andreas Römer, Chefarzt der Klinik für Physikalische Medizin, Frührehabilitation und Geriatrie am Klinikum Schwabing in München.
 

Ursachen: Wie entstehen Rückenschmerzen?

Die Wirbelsäule ist das zentrale Element des Bewegungsapparates und ist in alle Bewegungsvorgänge des Körpers involviert.

Sie hat zwar ein hohes Maß an Selbstheilungskraft, weshalb Rückenschmerzen oft nach ein paar Tagen, spätestens aber zwei Wochen, wieder von alleine verschwinden.

Doch Fehlstellungen, altersbedingter Verschleiß oder einseitige Belastungen können zu dauerhaften Beschwerden führen.

Auch Sitzen ist einer der größten Gegner für einen gesunden Rücken. Langes Sitzen gilt als Hauptursache für Bandscheibenvorfälle und -vor­wölbungen.

Auch scheinbar bequeme Positionen führen auf Dauer zu Fehl­belastungen der Rückenmuskeln, aus denen Verspannungen und chronische Schmerzen resultieren.

 

Welche Arten von Rückenschmerzen gibt es?

Sportmediziner Dr. Oliver Dierk, Chefarzt Orthopädie an der Schön Klinik in Hamburg-Eilbek, hat uns verraten, was wann zu tun ist. Am Anfang steht immer die gründliche Diagnose, dann folgt die Therapie.
 

Hexenschuss

So werden plötzlich auftretende Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule genannt, Mediziner sprechen von Lumbalgie (lat. lumbus = Lende), auch Hexenschuss genannt. Ursache: akute Blockierung von Wirbelgelenken und daraus folgende Muskelverspannungen.

Mögliche Ursachen: Fehlhaltungen, falsches Heben, rasche Drehung, abgenutzte Wirbelsäulengelenke, muskuläre Defizite, Kälte.

Symptome: Die Muskulatur verkrampft reflexartig, plötzlicher Schmerz zwischen unterem Rippenbogen und Gesäß, der meist durch eine „falsche“ Bewegung ausgelöst wird und nicht ins Bein ausstrahlt. Bewegen ist kaum möglich.

Behandlung: Wärme, etwa ein Bad mit Rosmarinextrakt, hilft, verspannte Muskeln zu lösen. Ebenso eine heiße Dusche, unter der man sich sanft dehnt. Es ist gut, in Bewegung zu bleiben – kurzfristig kann dafür ein schmerzstillendes Medikament nötig sein – und nicht in einer Schonhaltung zu verharren. Zwischendurch entlastet die Stufenlagerung: rücklings auf den Boden legen (Decke drunter hält warm!), Unterschenkel auf einen Hocker betten. Später Krankengymnastik, Rückentraining, eventuell Gewichtsreduktion, Erlernen rückengerechten Verhaltens.
 

Steifer Nacken

Auslöser sind zum Beispiel unglückliche Schlafpositionen, Zugluft, die Extraschicht am Computer oder abrupte Bewegungen. Hauptursachen für Nackenschmerzen sind Haltungsprobleme und überlastete Muskeln im Rücken-, Nacken- und Schulterbereich.

Die Folge: Blockierung der Zwischenwirbelgelenke, Verspannungen, eventuell Schäden an Blutgefäßen und Nerven. Heftige Schmerzen können Fehlhaltungen verstärken und diese wiederum den Schmerz – ein Teufelskreis.

Symptome: Schmerz bei Bewegung, Schwindel, Unwohlsein, Ohrgeräusche, migräneartige Kopfschmerzen.

Behandlung: Leichtere Beschwerden klingen meist von allein nach wenigen Tagen ab. Ein kurze Zeit eingenommener Schmerz- und Entzündungshemmer wie Ibuprofen oder Aspirin sowie das Auflegen von Wärmepackungen erlauben es, den Nacken weiterhin zu bewegen. Das kann die Genesung beschleunigen.

Von einer Halskrause ist in den meisten Fällen also abzuraten! Dauern Beschwerden länger als vier Woch­en, sollte zudem eine Physiotherapie erfolgen. Im Rahmen einer multimodalen, also moreere Therapierichtungen kombinierenden Behandlung, kommen darüber hinaus Entspannungsverfahren, Biofeedback, Osteopathie und Psychotherapie infrage. Mit Vorbehalt Chirotherapie.
 

Ischiasschmerzen

Mögliche Ursachen: Bandscheibenvorfall, Bluterguss, Degeneration der Wirbelgelenke

Symptome: Typisch sind stech­ende Schmerzen, die von der Lende bis ins Bein ausstrahlen. Ursache: Im Becken sammeln sich moreere Nerven der Lendenwirbelsäule und des Kreuzbeins, die die Beine versorgen. Sie bilden zusammen den Ischias. Ist dessen Wurzel gereizt, treten die Probleme auf. 

Behandlung: Wechsel zwischen Bewegung und Entspannung – dafür Rückenlage und Unterschenkel auf einen Hocker. Unterstützend hilft zu Beginn Kälte (Gelpack, moremals drei Minuten), nach eigenem Empfinden später auch Wärme zur Durchblutung (Bad, Wärmflasche). Und: Bewegung, sowie es die Schmerzen zulassen. Ist ein Bandscheibenvorfall die Ursache, entscheidet der Arzt über eine OP.
 

Verspannte Muskulatur

Wer täglich viele Stunden im Sitzen verbringt, läuft Gefahr, dass Verspannungen, vor allem im Nacken und oberen Rücken, chronisch werden. Spezielle Apps (zum Beispiel die ) geben Hilfe zur Selbsthilfe.

Das Neue an der App ist der moderne, multimodale Ansatz: Viele Rückenprobleme ­haben nicht allein körperliche Ursachen, oft kommen psychische hinzu. Diese App hilft einem herauszufinden, was genau los ist und was einem am besten hilft.

Ein weiterer Kern ist das ganzheitliche Trainingsprogramm, das sich an die individuellen körper­lichen Fähigkeiten und den Alltag anpasst. Die Übungen wurden von Experten entwickelt und stärken den Rücken Schritt für Schritt.

Die ersten sieben Tage des Programms sind gratis. Das Abo kostet pro Monat ca. 15 Euro.

 

Bandscheibenvorfall

Durch Alterung und Fehlbelastung büßen die Bandscheiben an Elastizität ein. Bandscheiben sind gelartige, von einem Faserring umgebene Puffer zwischen den einzelnen Wirbeln.

Reißt ihre faserige Hülle bei einer ungewohnten oder zu starken Beanspruchung, kann die austretende Masse auf die am Rückenmark entspringenden Nerven drücken und zum Teil heftige Schmerzen verursachen.

Symptome: oft heftige Schmerzen, Bewegungseinschränkung, Verkrampfung der Muskulatur. Am häufigsten ist die untere Lendenwirbelsäule betroffen. Deshalb kann Ischiasschmerz auf einen Bandscheibenvorfall hinweisen.

Behandlung: Bei intensiven Schmerzen, die ins Bein oder einen Arm ausstrahlen und mit Gefühlsstörungen (wie Ameisenlaufen, Kribbelgefühl, Taubheit) oder gar Lähmungserscheinungen einhergehen, ist sofort ein Arzt aufzusuchen. Per Reflextests, Zehen- oder Hackengang erhält er Hinweise, ob tatsächlich ein Bandscheibenvorfall vorliegt. Nur in schweren Fällen sind bild­gebende Verfahren wie CT oder MRT nötig. Ansonsten startet jetzt eine konservative Behandlung: Wärme­anwendungen, um Verspannungen zu lösen,  Physiotherapie, um mit gesunden Bewegungsmustern aktiv zu bleiben, Schmerzmittel, um zu verhindern, dass sich Schmerz und Muskelverspannung aufschaukeln, Rückenübungen, da ein gut trainiertes Muskelkorsett die Bandscheiben sehr entlastet. Wichtig: Eine Operation ist nur in absoluten Notfällen nötig.
 

Blockierte Schulter

Häufige Ursache ist das Engpass- oder auch Impingementsyndrom. Dabei wird das Gewebe unterhalb des Schulterdachs eingeklemmt.

Symptome: Schmerzen und Blockade machen jeden Handgriff zur Qual.

Behandlung: Wenn Bewegung wirklich kaum noch möglich ist, nix selber tun, sondern ab zum Doc. Der Arzt untersucht die Schulter auf Beweglichkeit. In Kombination mit der Schmerzanfälligkeit bei verschiedenen Übungen und Griffen kriegt er Hinweise, ob etwa eine Schleimbeutelentzündung, eine gereizte Sehne oder eine Muskelverletzung vorliegt – damit einhergehende Schwellungen lösen ein Engpasssyndrom aus.

Bei entsprechendem Verdacht folgen Ultra­schall und/oder Kernspin, dann wird über die Behandlung entschieden. Zur konservativen Therapie gehören Medikamente und Physiotherapie. Sehr oft kann der Patient durch konsequente Krankengymnastik maßgebliche Besserung erzielen. Die Kräftigung der schulterumgreifenden Muskeln ver­ändert die Position des Oberarmkopfs im Schultergelenk so, dass unter dem Schulterdach wieder Platz für die Sehnen und andere Strukturen ist. Dauer: vier bis acht Wochen.
 

Eingeklemmter Wirbel

Typisch ist ein stechender Schmerz, etwa nach einer falschen Bewegung wie dem Heben eines schweren Gegenstands. Er geht langsam in einen dumpfen, tief sitzenden Schmerz über, nimmt bei Belastung und im Tagesverlauf zu und bessert sich im Liegen. Verantwortlich sind verspannte Rückenmuskeln. Die Beweglichkeit der Wirbelsäule ist stark eingeschränkt.

Behandlung: Durch sanfte Dehnübungen kann sich eine Wirbelblockade spontan wieder lösen. Verstärken sich die Schmerzen, sollte man die Übungen abbrechen, da sich sonst auch die Blockade verstärken kann. Bei heftigen Beschwerden können manchmal Schmerzmedikamente Bewegung überhaupt erst ermöglichen. Wärmepflaster oder Körnerkissen (mit nassem, aber warmem Handtuch um­wickeln, denn feuchte Wärme wirkt intensiver!) erhöhen die Durchblutung und ent­spannen die Muskeln, was oft schmerzlindernd wirkt und die Beweglichkeit steigert. Halten die Beschwerden zwei bis drei Tage an, ab zum Arzt. Der kann versuchen, die Blockade zu lösen: durch vorsichtiges Dehnen oder einen kurzen Impuls auf das betroffene ­Segment – in die „freie“, also schmerzfreie Richtung! Dabei kann es laut knacken. Üblicherweise wird vorher ein leichter Probezug gemacht. Nur wenn dieser schmerzfrei ist, darf das Gelenk (in Deutschland nur vom Fachmann) so „manipuliert“ werden.

Weitere Ursachen für Rückenschmerzen

Skliose

Seitliche Krümmung und Verdrehung der Wirbelsäule, meist mit unklarer Ursache. Sie kann bereits bei Säuglingen auftreten, eine regelmäßige Kontrolle im Wachstumsalter ist daher ein Muss.

Behandlung: In schwersten Fällen ist eine Operation nötig (falls Atmung und Herzleistung gestört sind). Ist ein verkürztes Bein oder eine Beckenfehlstellung die Ursache, helfen Einlagen. Immer zu empfehlen ist ein gezielter Muskelaufbau.
 

Morbus Scheuermann

Genetisch bedingte Verknöcherungsstörung der wachsenden Wirbel, vor allem im Brustbereich.

Symptome: Die Wirbelsäule ist druck- und schmerzempfindlich, die Rückenmuskulatur verspannt, und die Haltung ist schlecht (Rundrücken, hängende Schultern). Die Symptome treten meist zwischen dem 11. und 15. Lebensjahr auf.

Behandlung: Intensive Stärkung der Muskulatur, kein langes Stehen und Sitzen.
 

Belastungsrückenschmerz

Ursache ist eine Kombination aus Bewegungsmangel, Fehlbelastung und Stress. Die Schmerzen führen zu Schonhaltungen und so in einen Teufelskreis.

Symptome: Das Röntgenbild zeigt meist keine schwerwiegenden Veränderungen, trotzdem ist die Muskulatur verspannt und reagiert empfindlich auf Druck.

Behandlung: Im akuten Stadium Schmerzmittel (Aspirin, Paracetamol). Dazu Wärme und Krankengymnastik. Langfristig helfen Sport und gezieltes Rückentraining.
 

Fehlhaltungen

Ein einfacher Test zeigt, ob du möglicherweise unter einer Fehlhaltung leidest. Stell dich mit dem Rücken an eine Wand und checke die Kontaktpunkte.

  • Hohlkreuz: Ursache ist oft eine Haltungsschwäche.
  • Rundrücken: resultiert aus einer starken Krümmung der Brustwirbelsäule.
  • Flachrücken: Die Wirbelsäule ist kaum gekrümmt.

Behandlung: In allen Fällen ist eine kräftige, stabilisierende Muskulatur besonders wichtig. Deshalb eignen sich unsere Tipps zur Vorbeugung wie für die Therapie.
 

Rückenschmerzen durch Handynacken

Unsere Gadgets werden immer schlauer – wie wir (durchschnittlich vier Stunden täglich) mit ihnen umgehen, ist allerdings nicht besonders klug.

Die zusätzliche Belastung zwischen der neutralen Haltung des Kopfes (fünf Kilo) und der Neigung beim Blick aufs Smart­phone liegt bei 22 Kilo – und das häufig bis zu vier Stunden am Tag.

Die normale Krümmung der Wirbelsäule nach vorn wird beim Blick auf das Smartphone in den Händen zu einer Streckhaltung. Besser: technische Geräte auf Augenhöhe halten, um eine möglichst neutrale Position des Nackens zu erreichen – und lieber die Augen als den Kopf senken.
 

Selbsthilfe bei Rückenschmerzen

Wenn man sich bei akuten Rückenschmerzen nur noch unter (großen) Schmerzen bewegen kann, helfen kurzzeitig Schmerzmittel – mit dem Ziel, in Bewegung zu bleiben.

Das empfehlen unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie und der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie. Denn körperliche Aktivität befreit besser von Schmerzen als Bettruhe.

Diese kann die Beschwerden sogar verstärken.

Die Experten empfehlen bei heftigen Rückenschmerzen aber ebenso, immer einen Facharzt aufzusuchen, um behandlungsbedürftige Schäden, etwa einen Bandscheibenvorfall oder Wirbelbruch, zu erkennen.

Richtiges Handeln ist auch deshalb so wichtig, damit die Beschwerden nicht chronisch werden.
 

Prävention und Übungen

Bei kurzweilig auftretenden Rückenschmerzen helfen in der Regel physikalische Therapien wie Krankengymnastik und Bewegungstherapie.

Allerdings verschwinden die Beschwerden in manchen Fällen auch trotz Behandlung nicht und werden chronisch.

Mediziner sprechen dann von chronischen Rückenschmerzen, wenn diese länger als üblich andauern – also ab einem ungefähren Zeitraum von etwa zwei Wochen.

Deshalb gelten akute Schmerzen auch "nur" als ein Warnsignal des Körpers, chronische Schmerzen hingegen als eigenes Krankheitsbild.

Rückenschmerzen sind oft auch ein Zeichen für einen schwachen Rücken – am besten trainiert man regelmäßig RÜcken und Bauch mit folgenden Übungen:

Bild zum Thema Rücken-Training für Einsteiger Workout Muskelaufbau und Abnehmen
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